SCA Cupping Protocol: Das Score-Sheet und seine Bewertungskategorien im Detail
Wenn du schon mal bei einem professionellen Cupping zugeschaut hast, kennst du das Ritual: Kaffee wird geschlürft, Notizen werden gemacht, Zahlen vergeben. Aber was genau passiert da auf dem SCA Cupping Protocol Score-Sheet? Welche Kategorien entscheiden darüber, ob ein Kaffee die magische 80-Punkte-Grenze knackt und sich Specialty Coffee nennen darf? Wir schauen uns heute die einzelnen Bewertungskategorien an und was sie wirklich bedeuten.
Die zehn Bewertungskategorien des Score-Sheets
Das SCA Cupping Protocol arbeitet mit zehn Kategorien, die jeweils unterschiedlich gewichtet werden. Jede Kategorie wird auf einer Skala von 6 bis 10 bewertet, wobei die Abstufungen in Viertelpunkten (0,25) erfolgen. Die ersten drei Kategorien – Fragrance/Aroma, Flavor und Aftertaste – werden mit maximal 10 Punkten bewertet und zählen zu den wichtigsten Indikatoren für Kaffeequalität.
Fragrance/Aroma beschreibt den Duft des trockenen Kaffeemehls (Fragrance) und den Geruch nach dem Aufgießen (Aroma). Hier zeigt sich bereits, wie komplex ein Kaffee aufgestellt ist. Ein sauberer, intensiver Duft nach Beeren, Schokolade oder floralen Noten deutet auf hohe Qualität hin. Bei minderwertigen Bohnen riecht man oft muffige, erdige oder phenolische Noten.
Flavor ist die Königskategorie – hier geht es um den Gesamteindruck im Mund, die Kombination aus Geschmack und retronasalem Aroma. Ein komplexer Flavor mit mehreren erkennbaren Noten, guter Balance und Klarheit holt hier die Höchstpunktzahl. Aftertaste bewertet, was nach dem Schlucken bleibt: Wie lange hält der Geschmack an? Ist er angenehm oder verschwindet er schnell? Ein langer, sauberer Nachklang mit positiven Noten ist Gold wert.
Acidity, Body und Balance: Die strukturellen Kategorien
Acidity misst nicht die Säuremenge, sondern deren Qualität. Eine lebendige, fruchtige Säure wie bei Zitrusfrüchten oder grünem Apfel wird hoch bewertet. Eine flache, essigähnliche oder scharfe Säure zieht Punkte ab. Die Säure sollte den Kaffee beleben, nicht dominieren. Bei unseren Filterkaffees aus Äthiopien zeigt sich genau diese Balance zwischen fruchtiger Lebendigkeit und Trinkbarkeit.
Body beschreibt die taktile Wahrnehmung im Mund – das Gewicht, die Textur, die Fülle. Ein voller, cremiger Body wie bei einem guten Espresso bekommt hohe Punkte, während ein wässriger, dünner Körper abgewertet wird. Die Slurping-Technik beim Cupping hilft dabei, den Body besser wahrzunehmen, weil der Kaffee den gesamten Mundraum erreicht.
Balance bewertet, wie harmonisch Flavor, Aftertaste, Acidity und Body zusammenspielen. Ein Kaffee kann in Einzelkategorien gut abschneiden, aber wenn die Säure zu dominant ist oder der Body nicht zur Aromastruktur passt, leidet die Balance. Diese Kategorie zeigt, ob ein Kaffee „rund“ ist oder irgendwo Ecken und Kanten hat.
Uniformity, Clean Cup und Sweetness: Die Sauberkeits-Indikatoren
Diese drei Kategorien funktionieren anders: Sie werden nicht graduell bewertet, sondern arbeiten mit einem Punktabzug-System. Jede Kategorie startet mit 10 Punkten, und für jeden Fehler werden 2 Punkte abgezogen.
Clean Cup bewertet, ob der Kaffee frei von Fehlaromen ist. Bei fünf Tassen werden jeweils 2 Punkte abgezogen, wenn Defekte wie Fermentation, Schimmel oder phenolische Noten auftreten. Ein perfekt sauberer Kaffee behält alle 10 Punkte. Uniformity prüft, ob alle fünf Tassen identisch schmecken – Inkonsistenzen deuten auf Probleme bei Ernte, Verarbeitung oder Röstung hin.
Sweetness misst nicht die Zuckermenge, sondern die wahrgenommene Süße als Qualitätsmerkmal. Reife Kaffeekirschen entwickeln natürliche Süße, die sich im Cup zeigt. Fehlt diese Süße oder schmeckt eine Tasse bitter oder adstringent, gibt es Punktabzug. Diese drei Kategorien sind brutal ehrlich – sie decken Verarbeitungsfehler gnadenlos auf.
Overall und die 80-Punkte-Grenze
Overall ist die subjektivste Kategorie: Hier bewertet der Cupper den Gesamteindruck. Würde ich diesen Kaffee nochmal trinken wollen? Hat er etwas Besonderes? Diese Kategorie erlaubt es, außergewöhnliche Qualitäten zu honorieren, die nicht in die anderen Kategorien passen – etwa eine einzigartige Aromakombination oder perfekte Harmonie.
Die Summe aller Kategorien ergibt den Final Score. Erreicht ein Kaffee mindestens 80 Punkte, gilt er als Specialty Coffee. Ab 85 Punkten sprechen wir von exzellenter Qualität, ab 90 Punkten von außergewöhnlich. Wie wir in unserem Artikel zur 80-Punkte-Grenze erklärt haben, ist dieser Schwellenwert kein Marketing-Gag, sondern ein messbarer Qualitätssprung.
Das Score-Sheet dokumentiert auch Defekte: Jeder Fehler wird notiert und führt zu Punktabzug. Schwere Defekte wie Schimmel oder Fermentation können einen Kaffee komplett disqualifizieren. Das SCA Cupping Protocol ist gnadenlos objektiv – und genau deshalb so wertvoll für die Qualitätssicherung.
Wenn du selbst mit dem Cupping anfangen willst, brauchst du nicht gleich das komplette Profi-Setup. Unser Vier-Tassen-Setup für zuhause reicht für den Einstieg völlig aus. Und wenn du verschiedene Kaffees vergleichen möchtest, findest du in unserem Shop hochwertige Specialty Coffees, die sich perfekt zum Üben eignen – alle mit mindestens 80 SCA-Punkten.
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Auf den Punkt
Das SCA Cupping Protocol Score-Sheet ist kein Hexenwerk, sondern ein durchdachtes Werkzeug zur objektiven Qualitätsbewertung. Die zehn Kategorien decken alle relevanten Aspekte ab – von der Aromavielfalt über strukturelle Merkmale bis zur Fehlerfreiheit. Wer versteht, was hinter Fragrance, Flavor, Acidity und Co. steckt, kann Kaffeequalität nicht nur besser einschätzen, sondern auch gezielter einkaufen und rösten. Die 80-Punkte-Grenze ist dabei kein willkürlicher Cut, sondern markiert den Punkt, an dem alle Kategorien zusammenspielen und ein rundes, fehlerfreies Gesamtbild ergeben. Bei COFFEEHEROS nutzen wir dieses System konsequent – weil Specialty Coffee keine Glückssache sein sollte.
Haeufige Fragen
Was wird beim SCA Cupping Protocol bewertet?
Das SCA Cupping Protocol bewertet zehn Kategorien: Fragrance/Aroma, Flavor, Aftertaste, Acidity, Body, Balance, Uniformity, Clean Cup, Sweetness und Overall. Jede Kategorie wird auf einer Skala von 6 bis 10 Punkten bewertet, wobei die letzten drei Kategorien mit einem Punktabzug-System arbeiten. Die Summe ergibt den Final Score, der mindestens 80 Punkte erreichen muss, damit ein Kaffee als Specialty Coffee gilt.
Wie funktioniert die Bewertung von Clean Cup und Uniformity?
Clean Cup und Uniformity starten beide mit 10 Punkten. Für jeden festgestellten Fehler in den fünf verkosteten Tassen werden jeweils 2 Punkte abgezogen. Clean Cup prüft auf Fehlaromen wie Fermentation oder Schimmel, während Uniformity die Konsistenz zwischen den Tassen bewertet. Ein perfekter Kaffee ohne Defekte behält in beiden Kategorien die vollen 10 Punkte.
Was ist der Unterschied zwischen Fragrance und Aroma?
Fragrance bezeichnet den Duft des trockenen, gemahlenen Kaffees vor dem Aufgießen, während Aroma den Geruch nach dem Kontakt mit heißem Wasser beschreibt. Beide werden in einer Kategorie zusammengefasst und mit maximal 10 Punkten bewertet. Die Veränderung vom trockenen zum nassen Zustand gibt wichtige Hinweise auf die Komplexität und Qualität des Kaffees.
Warum ist Acidity beim Cupping wichtig?
Acidity bewertet nicht die Säuremenge, sondern deren Qualität und Charakter. Eine lebendige, fruchtige Säure wie bei Zitrusfrüchten wird hoch bewertet und gilt als Qualitätsmerkmal für Specialty Coffee. Sie sollte den Kaffee beleben und Komplexität verleihen, ohne dominant oder unangenehm scharf zu wirken. Flache oder essigähnliche Säure führt zu Punktabzug.
Was bedeutet die Overall-Kategorie beim Score-Sheet?
Overall ist die subjektivste Kategorie im SCA Cupping Protocol und bewertet den Gesamteindruck des Cuppers. Hier können außergewöhnliche Qualitäten honoriert werden, die nicht in die anderen Kategorien passen – etwa eine einzigartige Aromakombination oder perfekte Harmonie. Die Frage lautet: Würde ich diesen Kaffee nochmal trinken wollen und hat er etwas Besonderes?